Dekanat Dreieich

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Nahost in Götzenhain

I. Boelke

Im Theaterprojekt „Grenzüberschreitung“ des Evangelischen Dekanats Dreieich stürzt die Welt von Friedrich Schiller in die multireligiöse Gegenwart.

Wie sich dem Konflikt, der seit Jahrzehnten völlig festgefahren ist, in einem Theaterstück nähern? Auf Nachfrage erklärt Sonnhild Grevel: "Die Anstrengungen für eine friedliche Lösung im Nahen Osten sind belastet von Ereignissen aus der Vergangenheit. Da sind die Standpunkte der beteiligten Parteien zementiert und auch der Blick von außen holt schnell die bekannten Bilder hervor. Deshalb habe ich den Spielort des Theaterstücks Grenzüberschreitung in ein fiktives Land verlagert."

Die Anfangsszene spielt in einem Seniorenheim in Frankreich, in dem die skurrilen Bewohner einen Klassiker - Schillers "Jungfrau von Orleans" - proben. Geschickt nutzt die Autorin dieses Eingangsbild, um in die Vergangenheit von General Louise Lambert (Inge Röll-Schäfer) bei einem Blauhelmeinsatz im Nahen Osten zu wechseln.

Damals wird ein Erkundungstrupp in die Wüste geschickt, der - auf sich alleingestellt - mit der Verletzung von Benjamin Silberberg (Jens Chobotsky) zurechtkommen muss. Letztlich kann Friedrich Brisson (Jürgen Langer) durch überzeugende Argumente, eine Einigung zwischen dem Juden Ben und den muslimischen Nomaden erreichen. Jahre später werden die Ereignisse aufgerollt, und am Ende des Stücks steht das Bekenntnis aller Beteiligten zum Frieden.

Sonnhild Grevel schafft es, die bedrückende Stimmung durch einige Zwischenhandlungen aufzulockern. Die Zuschauer können auch mal herzlich lachen, wenn in der lokalen Nachrichtenredaktion der Aufritt von Patrick Winter (Frank Binder) nicht nur bei der genervten Redakteurin Ricarda Giacomelli (Regina Schneider), sondern auch bei den weiteren Mitarbeiterinnen in der Redaktion (hinreißend gespielt von Anja Krämer und Marion Podgorski) die Stimmung deutlich verbessert.

Das Tribunal in der Schlussszene zeigt den Einfluss des epischen Theaters von Berthold Brecht auf die Inszenierung von Sonnhild Grevel. Demonstranten links und rechts der Bühne nehmen lauthals Einfluss auf die Verhandlungen vor Ort.

Im ausverkauften Evangelischen Gemeindehaus gelingt den Schauspielern zusammen mit Klaus Klepper, der mit einer Multimediapräsentation und raffinierter Lichttechnik in die unterschiedlichen Orte führt, eine mitreißende Vorstellung, die das Publikum mit langem Beifall belohnt.

Das Laienensemble präsentiert die Grenzüberschreitung erneut am Samstag, 6. April, um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus der Stadtkirche in Langen und am Sonntag, 14. April, um 17 Uhr in der Evangelischen Johanneskirche in Neu-Isenburg.

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