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Deutsch-Ägyptischer Fachkräfteaustausch für Erzieherinnen fortgesetzt

Freiräume für Kinder schaffen

Stephanie KunertZum Abschied gab's selbst gemalte Kinderbilder für die Teilnehmerinnen und ein Gruppenbild zur Erinnerung.

Erneut waren sechs Erzieherinnen aus Ägypten der Einladung in den Kreis Offenbach gefolgt. Sie hospitierten in evangelischen Kitas in Heusenstamm, Langen und Neu-Isenburg und nahmen viele Ideen für den Arbeitsalltag mit nach Hause.

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Vor drei Jahren waren zum ersten Mal Erzieherinnen aus Ägypten zu Gast im Evangelischen Dekanat Dreieich. Nach einem Gegenbesuch 2015 wurde das Projekt wie schon im vergangenen Jahr erneut in Deutschland fortgesetzt. Eingeladen waren sechs Erzieherinnen aus drei Einrichtungen der Partnerkirche Synod of the Nile zum Fachkräfteaustausch in den Kreis Offenbach. „Der deutsch-ägyptische Jugendaustausch, der bei uns im Dekanat seit mehr als 30 Jahren besteht, ist die Basis“, erklärt Dekan Reinhard Zincke. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, das Projekt auf breitere Füße zu stellen.“

An sieben Tagen nahmen die Gäste am Alltag der Kitas in der Johannesgemeinde Neu-Isenburg sowie der Kirchengemeinden Langen und Heusenstamm teil. Sie widmeten sie sich den Themenschwerpunkten Demokratieerziehung, Resilienzförderung, Elternpartizipation und religiöse Erziehung in Kindertagesstätten und erlebten dabei hautnah, wie die pädagogischen Konzepte in den einzelnen Einrichtungen umgesetzt werden. Zur Übernachtung bezogen die Ägypterinnen Quartier in den Personalräumen der U-3-Kita der Neu-Isenburger Johannesgemeinde.

Gemeinsam werteten die Teilnehmerinnen die Erfahrungen in zwei Workshops aus, geleitet von Georg Horcher. „Es ist wichtig und interessant, die eigenen Konzepte im Spiegel ganz anderer fachlicher, kultureller und rechtlicher Gegebenheiten zu betrachten“, so der ehemalige Jugendamtsleiter im Kreis Offenbach. Ausgehend von der rechtlichen Grundlage in Ägypten und Deutschland arbeiteten die Erzieherinnen Parallelen und Unterschiede ihrer Arbeit heraus. „An vielen entscheidenden Punkten ist die ägyptische Verfassung weniger konkret“, erläutert Horcher. „Dies schafft entscheidende Spielräume, die man nutzen kann, wenn man die Verfassung kennt.“

„Die Fragen der ägyptischen Kolleginnen helfen dabei, das pädagogische Handeln zu reflektieren“, sagt Renate Bücher, Leiterin der Johannes-Kita. „Im Austausch relativiert sich etliches, was wir bei unserer täglichen Arbeit als selbstverständlich hinnehmen“, ergänzt Kerstin Wunderlich, Kita-Chefin in Heusenstamm. „Dadurch kann man die hiesigen Standards ganz anders schätzen“.

Dies gilt auch für die Rolle der Männer, die in Deutschlands Kitas derzeit immerhin 15 Prozent der Mitarbeitenden stellen und die gleichen Tätigkeiten ausführen wie ihre Kolleginnen. In Ägypten sind in diesem Bereich ausschließlich Frauen beschäftigt. „Männer treten dort in den Kitas nicht in Erscheinung – weder als Väter, noch als Erzieher“, erklärt Martina Paegelow, stellvertretende Leiterin der Johannes-Kita. So habe die Tatsache, dass viele der Kinder von ihren Vätern in die Kita gebracht oder von dort abgeholt werden, bei den Ägypterinnen für Verwunderungen gesorgt. „Arbeiten deutsche Männer nicht?“, lautete die erstaunte Nachfrage von Sherine Magdy Awadalla Rizkalla, die zum ersten Mal an dem Austausch teilnahm.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Hala Sobhy Riad Makarious hatte sie in der Langener Kita Stadtkirche hospitiert. „Die beiden waren fasziniert davon, wie individuell wir hier auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen“, stellt Kirsten Scharf fest. Da in Ägypten bereits Vier- bis Sechsjährige im klassischen Sinn unterrichtet werden, fehle dort die Zeit zum Spielen, um individuellen Interessen nachzugehen. „Gerade das ist uns in Deutschland in der frühkindlichen Pädagogik sehr wichtig, führt die Leiterin der Stadtkirchen-Kita aus. Sie freut sich darüber, dass die ägyptischen Erzieherinnen verschiedene Ideen aufgreifen und in ihrer Heimat umsetzen wollen, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten kleine Freiräume für die Kinder zu schaffen.

„Es war wieder eine sehr intensive und vor allem befruchtende Begegnung“, so Dekan Reinhard Zincke, der zusammen mit Pfarrer Dr. Tharwat Kades diesen Austausch organisierte. „Vor allem bin ich den Erzieherinnen unserer Einrichtungen sehr dankbar, die nicht nur die Ägypterinnen fachlich begleitet, sondern vom Frühstück bis zum Nachtmahl auch das komplette Rahmenprogramm über die gesamte Zeit organisiert haben.“ Christiane Anthes, Renate Bücher, Anna-Lena Dönitz, Aysel Günez, Martina Löffler-Happ, Martina Paegelow, Kirsten Scharf und Kerstin Wunderlich hatten zehn Tage „Work and Fun“ für die Gäste auf die Beine gestellt. Hierzu gehörten neben dem inhaltlichen Austausch beispielsweise Spaziergänge in der Region, der Besuch eines Rockkonzerts in der Langener Stadthalle sowie eine Sightseeing-Tour durch Frankfurt.

Der Austausch soll auch in den kommenden Jahren weitergeführt werden. „Der Erfolg liegt in den konkreten Erfahrungen, die auf beiden Seiten gemacht werden. Vor allem ist es eine nachhaltige Unterstützung für die Entwicklung der Einrichtungen unserer Partnerkirche“, so Reinhard Zincke. In diesem Jahr wurde der Besuch der Ägypterinnen von Mitteln der Dekanate Dreieich und Rodgau finanziert. Für die Realisierung des Projektes in den kommenden Jahren werden noch Geldgeber gesucht.

Weitere Bildmotive auf Anfrage per E-Mail: stephanie.kunert.dek.dreieich@ekhn-net.de

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